Ehrenfried Kissinger

Als Heranwachsender hatte ich ein Jahr Klavierunterricht. Das reichte, den Kirchenchor gelegentlich an den Tasten zu unterstützen und dann auch einzuspringen, als die alte Organistin sich nicht mit der elektronischen Ersatzorgel anfreunden wollte.

Bei geringer musikalischer Begabung und schwacher Singstimme waren mir die Tasten in meiner aktiven Pfarrerzeit eine große Hilfe: Klavier- oder Keyboard-gestützt konnte ich mit Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen recht viel singen, - alles, was Gemeinde-bekömmlich ist. In meinen letzten aktiven Dienstjahren in zwei Dörfern am Rande des Odenwaldes war die OrganistInnen-Besetzung so übel, dass ich gelegentlich die Lieder, die ich selbst für den Gottesdienst ausgesucht hatte, kaum mitsingen konnte. Das führte dazu, dass ich den letzten drei Dienstjahren sehr oft den Entertainer gegeben habe, Pfarrer und Tastendrücker in Personalunion. Dabei kam es zum Entschluss, nach meiner Pensionierung als Aushilfsorganist tätig zu bleiben.

Von meinem ersten Orgellehrer, noch im Odenwald, hatte ich mir ein wenig Anleitung und Ermutigung erhofft, aber ich erfuhr eine große Ernüchterung. Was ich mir als Autodidakt zusammengebastelt hatte, sah er eher als Verirrungen an. Er meinte, im Ruhestand hätte ich doch Zeit, es richtig zu lernen. Und das versuche ich nun mit Hilfe von professionellem Klavier- und Orgelunterricht. Und ich habe so viel geübt, dass ich über das Anfängerstadium hinaus sein sollte.

Als bereitwilliger Aushelfer habe ich nun schon einige Orgeln in Wiesbaden und Umgebung kennengelernt. Die Kreuzkirchen-Orgel ist mit Abstand die schönste. Im Rahmen meiner Möglichkeiten ist alles mit Wohlklang spielbar. Wenn falsche Töne kommen, ist es eindeutig, an wem es liegt.

An wem mag es wohl liegen, dass diese Orgel technisch und klanglich so gut ist, und dass die Kirchengemeinde (ohne hauptamtliche Stelle) bezüglich OrganistInnen so aus dem Vollen schöpfen kann?