Kreuzkirche Wiesbaden

Der Kirchturm

Ein herausragendes Detail in dem Mitte der 50er Jahre eingereichten Wettbewerbs- Entwurf des Gaggenauer Architekten Wilhelm Hörr, war ohne Zweifel den Glockenturm der neuen Kreuzkirche als freistehendes Bauelement, als sogenannten Campanile, zu konzipieren.

Die architektonische Lösung der städtebaulichen Aufgabe, ein Ensemble als Stadteingang einerseits und gleichzeitig als Übergang zum Landschaftspark Walkmühltal- Anlage zu entwerfen, hat mit dem als deutlich sichtbare „Wegmarke“ verkörpernde Campanile, das Preisgericht, aus Vertretern der Stadtplanung und der Gesamtgemeinde Wiesbaden, überzeugt.

Auch die Feinheit der äußeren Gestalt des Turmes, der wie ein Finger Gottes zum Himmel weist, überzeugt noch heute durch seine kühne, moderne Formensprache aus reinweiß beschichtetem Beton, welcher die raue Brett- Schalung gleichsam relief-artig zur Schau trägt. Feine Wandvorlagen gliedern den fast überhohen Turm genauso gekonnt wie die aus Beton-Fertigteilen bestehenden lamellenartigen Wanddurchbrüche der Glockenstube. 

Mit seinen fünf Glocken ruft der Campanile die Gläubigen zum Gottesdienst und erinnert sie mit dem Stundenschlag der Rufglocke an das Dahineilen der Zeit und an die Vergänglichkeit unseres Lebens.

Ein Architektur- Detail ist sicher von besonderem Augenmerk:

Zur Stadt zugewandt, hat Wilhelm Hörr einen sogenannten „Bläser- Balkon“ gesetzt, wie ihn viele protestantische Kirchtürme seit Jahrhunderten zieren. Da der evangelische Gottesdienst nur an Sonntagen gefeiert wird und die Woche über in der Arbeit ein gottgefälliges Leben zum Ausdruck kommt, wurde in früheren Zeiten von solchen Balkonen, zu bestimmten Zeiten in der Woche, ein Choral geblasen. So konnte der gläubige Protestant bei der Arbeit im Gebet innenhalte. 

In diesem Architektur- Zitat zeigt Wilhelm Hörr die bemerkenswert verspielte Art, nicht unter allen Umständen modern sein zu wollen, sondern eben auch das Besondere, das seit Jahrhunderten eine Kirche als Kirche erkennen ließ, in seinen Entwurf mit einzubeziehen.

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