PAX MUNDI - Weltfrieden
Religiöse Verständigung, Einheit, Frieden
Friedrich Gernsheim „Elohenu" (1881) Unser Gott
1839 - 1916 Hebräischer Gesang für Violoncello und Orgel (Orchester)
Max Bruch Kol Nidrei (1880) op. 47 Alle Gelübde
1838 - 1920 für Violoncello und Kunstharmonium (Orchester)
Clemens Bosselmann Pax Mundi (2024)
1985 Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne
für Cello, Orgel, Harmonium und Sprecher
Stephan Breith, Violoncello und Sprecher
Andreas Karthäuser, Kunstharmonium
Clemens Bosselmann, Orgel
Dr. Gotthard Fuchs wird zum Thema sprechen
Friedrich Gernsheim, heute leider selten aufgeführter Komponist, dessen Rezeption durch das
Nazi-Regime nachhaltig gebrochen wurde, hat ein bedeutendes Oeuvre hinterlassen. Großartige
Sinfonien, herausragende Kammermusik, Lieder und Chorwerke sind zu entdecken. Das Werk
Elohenu bezieht sich auf eine der wichtigsten musikalischen Momente der jüdischen Liturgie, das
Gebet En Kelohenu. „Keiner ist wie unser Gott, keiner so wie unser Herr, keiner so wie unser
König, keiner so wie unser Retter."
Leider denken und empfinden viele Gläubige der monotheistischen Religionen in diese Richtung
statt den Andersgläubigen als den anderen Gläubigen zu respektieren und im Idealfall zu lieben.
Die eigene Glaubensgewissheit wird nicht durch die Akzeptanz des und den Respekt vor dem
anderen Gläubigen tangiert, auch dies eine Frage der „inneren Sicherheit"!
Max Bruch, bedeutender Komponist des 19. Jahrhunderts, hat mit seinem Kol Nidrei, ein auf dem
jüdischen Gebet Kol Nidre, das am Vorabend des höchsten jüdischen Feiertags, des Jom Kippur
gebetet wird, ein überaus populär gewordenes Stück für Violoncello und Orchester geschaffen.
Bruch schreibt zum Werk: „Ich wurde mit dem Kol Nidrei in Berlin durch die mir befreundete
Familie Lichtenstein bekannt. Wenn ich auch Protestant bin, so empfand ich als Künstler doch
die außerordentliche Schönheit dieser Melodien und verteilte sie daher glücklich über meine
Bearbeitung. Die erste ist ein altes hebräisches Sühnelied, die zweite der Mittelteil eines
bewegenden, wahrlich großartigen Liedes O weep for those that wept on Babel's stream (Byron)
in der Fassung von Isaac Nathan."
Das Werk wurde auf Drängen des Cellisten Robert Hausmann geschaffen.
(Stephan Breith)
Der Komponist Clemens Bosselmann schreibt zu seinem Stück:
Pax Mundi verbindet mehrere inhaltliche Elemente miteinander, die mal organisch ineinander
übergehen, mal mit einem harten Schnitt voneinander getrennt sind.
Ein wesentliches Element ist die Passionszeit. Das Werk ist für die vorösterliche Zeit komponiert
und enthält daher auch den Bezug zum 22. Psalm (Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich
verlassen?) und endet mit dem Passionschoral Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen?
Über den Psalmtext wird ebenfalls eine Verbindung von christlicher und jüdischer Tradition
hergestellt; religiöser Austausch: ein Anliegen, auf das ein besonderer Schwerpunkt gelegt wird,
weswegen auch noch ein Text aus dem west-östlichen Divan eingeflochten ist.
Der Kulminationspunkt ist das Gedicht Pax Mundi von Egon Altdorf, das auch innerhalb des
Werkes ganz zentral steht, textlich, inhaltlich und musikalisch. Hier wird das zentrale Anliegen –
religiöse Verständigung, Einheit, Frieden – zum Ausdruck gebracht.
Musikalisch werden sowohl die Texte verstärkt und in eine Tonsprache gegossen, als auch freie
Motive als roter Faden durch das Stück gesponnen, um die verschiedenen Texte und Inhalte
miteinander zu verknüpfen. Grob orientieren sich die Motive am Anfang des Werkes, der auch
den Anfang des (nicht als Text im Stück vorkommenden) Psalm 22 darstellt.
Im Wesentlichen ist die gewählte Tonsprache eine Hommage an den vom Komponisten sehr
geschätzten Olivier Messiaen, da sich auch dessen Tonsprache für den Ausdruck der gewählten
Texte hervorragend eignet.
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