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eine Adventsgeschichte

Der Anfang vom Ende der Furcht

Die große Liebe, der große Traum – für Jenny erfüllt er sich gerade. Jedenfalls ein bisschen. Vor ein paar Tagen sitzt sie im Kino, die Werbung läuft, dann die Vorfilme. Auf einmal erkennt sie Hände auf der Leinwand. Die gehören meinem Freund, denkt sie noch.

Der Anfang vom Ende der Furcht – eine Adventsgeschichte

Die große Liebe, der große Traum – für Jenny erfüllt er sich gerade. Jedenfalls ein bisschen. Vor ein paar Tagen sitzt sie im Kino, die Werbung läuft, dann die Vorfilme. Auf einmal erkennt sie Hände auf der Leinwand. Die gehören meinem Freund, denkt sie noch. Und dann sieht sie ihren Marc. Im Kino, auf der Leinwand. Mit einer Rose in der Hand geht er an viele Orte, an denen sie gemeinsam schon waren. Es sind Lokale, Gärten, Ausstellungen und das große Hallenbad. Jenny versteht nicht so richtig und hat Herzklopfen; das aber richtig.

Als der Kurzfilm vorbei ist, geht das Licht im Kino an. Ihr Freund neben ihr steht auf, nimmt eine Rose in seine Hand, die unter dem Kinositz lag, und macht Jenny einen Heiratsantrag – vor allen im gut gefüllten Kinosaal. Wenn das keine große Liebe ist.

Der große Traum von der Liebe, die alles heil macht – den müssen wir haben. Es darf nicht nur Streit geben und Wunden und Abgebrochenes. Es darf nicht nur Gewalt sein und Kriege. Es muss auch Heiles geben. Oder es muss heil werden.

In uns muss der Traum bleiben, dass einmal alles gut wird. Vielleicht morgen schon. Oder bald. Oder am Ende der Welt. Dass einmal alle Schmerzen vorbei sind, dass nie mehr ein Mensch Waffen gegen andere einsetzt und nie mehr ein Mensch weinen muss.

Liebe ist dieser Traum. Immer. Darum gibt es sie ja, die Liebe. Sie ist der Anfang der heileren Welt. Ein wenig. Und manche erleben sie ja auch. Andere suchen sie, ihr Leben lang. Oder hoffen auf mehr.

Sie hoffen dann, dass Gott kommt; als Liebe zu ihnen kommt und zu mir. Zu uns kommt in Gestalt eines anderen Menschen. Als Nachbar oder Pfleger, als Verkäuferin oder Arzt, als Liebender oder Geliebte. Als der Mensch, der dann sagt oder zeigt: Es wird alles gut.

Wie damals, als Gott zur Erde kommt in einem kleinen Kind. Und in seinen vielen Worten und Zeichen immer sagt: Fürchtet euch nicht. Es gibt Liebe. Sie ist der Anfang vom Ende der Furcht. Habt nicht so viel Angst, ihr Menschen mit Sorge und Krankheit und Trauer: Es wird gut. Nicht alles wird sofort gut. Aber manches kann jetzt gut werden oder am Ende der Tage. Es wird gut. Weil es Liebe gibt, immer. Weil ihr einander lieben könnt; es wenigstens versuchen könnte. Niemand ist gezwungen, einen anderen zum Feind zu erklären und zu bekämpfen. Liebe ist möglich. Weil Gott Liebe ist.

Ihr Pfarrer Schmidt


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